Samstag, 4. Februar 2012

Bahnfahrt


Die Eisenbahn hat geholfen, das große Land zu erschließen, aber heutzutage ist die USA nicht unbedingt als großes Eisenbahnland bekannt. Und seit dem vergangenen Wochenende und meiner ersten Bahnfahrt weiß ich auch, warum. Gemeinsam mit meinem Bruder ging es nach Bloomington, Illinois. Die Union Station in Chicago ist eine Kathedrale der Eisenbahn, wie so viele große Bahnhöfe aus dem 19. Jahrhundert (Foto oben). Das Besteigen des Zuges ist in den USA ähnlich organisiert wie bei einem Flug. Es gibt einen Check-in, und man darf nicht einfach so auf den Bahnsteig rennen. Fehlte eigentlich nur noch die Sicherheitskontrolle für das Gepäck. Jeder Wagen hat einen eigenen Zugbetreuer, der am Anfang eine lange Durchsage zu den Sicherheitsmaßnahmen macht. Amtrak setzt im wesentlichen Doppelstockwagen ein, der Sitzabstand ist deutlich weiter als bei der Deutschen Bahn, und man kann die Sitze in Liegen verwandeln. Das ist auch notwendig, denn unser Zug hätte uns auch in 32 Stunden nach San Antonio in Texas und in 65 Stunden nach Los Angeles gebracht. Wir fuhren nur 2,5 Stunden, und das ging relativ langsam von statten - aber auch nicht wesentlich langsamer als mit dem Auto.


Güterzüge haben hier immer Vorrang, da die Strecken weitestgehend den privaten Güterzug-Betreibern gehören. Das Schienennetz ist auch nicht mehr das jüngste und viele Strecken nur eingleisig. Das geht natürlich auf die Reisegeschwindigkeit. Wegen der vielen Bahnübergänge tutet der Zug nahezu konstant. Interessant fand ich auch, daß es rechtwinklige Schienenkreuzungen gibt. Auf der Rückfahrt zeigte sich dann die Konsequenz langer Zugläufe: Mehr als eine Stunde Verspätung. Die Strecke über Bloomington und Springfield soll im Rahmen des amerikanischen Konjunkturpakets aber zum "High-Speed"-Korridor ausgebaut werden. Mal schauen, ob da bald ICEs über die Schienen rollen.  

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