Donnerstag, 19. Januar 2012

Alles, außer dem Quieken

Gestern habe ich "Der Dschungel" von Upton Sinclair durchgelesen - eines der berühmten Chicago-Bücher. Es geht um einen litauischen Einwanderer, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner Familie nach Chicago kommt, um hier in den Schlachthöfen sein Glück zu suchen. Das Buch hat mir gut gefallen, obwohl das Schlachten am Fließband mit all seinen Konsequenzen sehr drastisch geschildert wird und die Familie von einem Schicksalsschlag nach dem anderen ereilt wird. Der Autor hat selbst sieben Wochen in den Schlachthöfen ("Union Stockyards") gearbeitet, so daß man die Beschreibung der unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen als authentisch ansehen muß. Vom Schwein wurde wirklich alles, außer dem Quieken verwendet. Das einzige, was mir nicht gefallen hat, war das Ende: Bei der Lektüre dachte ich mir schon, daß man eigentlich nur Sozialist werden kann, wenn man diese ganzen Dinge erlebt - und am Ende findet die Hauptperson Jurgis Rudkus "die Erlösung" bei der sozialistischen Partei.


Die Schlachthöfe von Chicago wurden übrigens in den 1970ern geschlossen. Das Gelände erstreckte sich über eine Quadratmeile, zeitweilig wurden hier 80 Prozent aller Tiere in den USA geschlachtet. Und das Fließband wurde nicht von Henry Ford, sondern bereits in den Schlachthöfen zur Perfektion gebracht. Und das Buch führte wohl zu den ersten halbwegs ernsthaften Lebensmittelregulierungsgesetzen in den USA.

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